| INTERVIEW MIT JAN HAVERKAMP, Greenpeace Experte in Atomfragen (gesamtes Interview) |
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| Geschrieben von: aotearoa |
| Donnerstag, 26. Juni 2008 um 16:09 Uhr |
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Hier das gesamte Interview: ANTIATOM SZENE: JAN HAVERKAMP: Es gibt momentan zwei Pläne die sehr aktuell sind: der Bau von 2 Blöcken in Belene in Bulgarien und der Ausbau des AKW Mochovce in der Slovakei mit zwei weiteren Blöcken. Außerdem soll der 2. Block in Cernavoda in Rumänien kommenden Jänner ans Netz gehen. Weiterhin haben Polen (ein Reaktor), Tschechien (zwei Reaktoren), Ungarn (zwei Reaktoren), Rumänien (drei Reaktoren) und Slovenien (1 Reaktor) Atomenergie in deren mittelfristige Energiepläne aufgenommen. Daneben gibt es aktuelle Pläne die Lebensdauer von verschiedenen älteren Reaktoren des VVER 440 Typ zu verlängern - etwas was die Durchschnittssicherheit des mitteleuropäischen Reaktorparks weiter herunterbringen wird: 4 Reaktoren in Paks in Ungarn, 4 Reaktoren in Dukovany in Tschechien und 2 Reaktoren in Bohunice in der Slovakei. Dem gegenüber steht dann nur die Schließung der komplett veralteten VVER 440/230 Blöcke in Bohunice in der Slovakei und Kozloduy in Bulgarien. Insgesamt nur vier Reaktoren. ANTIATOM SZENE: Wie schätzt du die Ausbaupläne betreffend dem AKW Mochovce in der Slowakei ein? JAN HAVERKAMP: Die Entscheidung diesbezüglich ist noch nicht gefallen. Die Finanzierung des Ausbaus von Mochovce ist noch unklar, weil die EU eigentlich keine Staatsunterstützung in der Form mehr zulässt. Daneben ist auch noch nicht geklärt ob ENEL, der neue Eigentümer des slovakischen Energiemonopols SE, auch wirklich ein veraltetes Design bauen möchte oder ob das für deren Image zu schädigend sein würde. Vor einem Baubeginn muss eine UVP stattfinden und ich hoffe, dass Österreich da eine aktive Rolle spielen wird, z.B. bei der Erstellung einer sozial-wirtschaftlichen Analyse als auch bei weiteren wichtigen Entscheidungsmomenten. Bis ein AKW ans Netz geht gibt es noch immer Chancen es zu stoppen, wie zB Zwentendorf und Kalkar gezeigt haben. ANTIATOM SZENE: Welche gravierenden Sicherheitsmängel gibt es bei den beiden bereits im Betrieb befindlichen Blöcken des AKW Mochovce? JAN HAVERKAMP: Eine typisch österreichische Frage. Ich möchte erstens klar stellen, dass alle bisherigen größeren Unfälle in AKWs nicht an den bekannten Schwachstellen lagen. Mochovce 1 und 2 sind vom Typ VVER 440/213. Der Mangel einer Schutzhülle wird in diesem Design teilweise mit technischen Maßnahmen aufgefangen, die laut EU offensichtlich vorläufig ausreichend genug waren, die Slowakei in die EU aufzunehmen. Allerdings wurde dabei von einer Laufzeit von 30 Jahren ausgegangen, und wir sehen jetzt schon, dass die Betreiber dieser Reaktoren sie bis zu 50 Jahre betreiben möchten um sie wirtschaftlicher zu machen. Etwas womit die EU damals überhaupt nicht gerechnet hat. Die VVER 440 Reaktoren sind auch bezüglich Terrorismus unsicher. Das Layout der wichtigsten Steuerungssysteme könnte durch einen Angriff relativ einfach unfähig gemacht werden. Aber technische Unvollkomenheiten sind nur eine Seite der Problematik. Menschliches Versagen war bisher immer verantwortlich für die größten Unfälle der AKW- Geschichte und da unterscheidet sich Mochovce nicht von japanischen, russischen, deutschen, britischen, amerikanischen oder französischen Kraftwerken die in den letzten Jahren Probleme gehabt haben. ANTIATOM SZENE: Inwieweit ist Österreich gefordert hier einzuschreiten, welche Mittel stehen zur Verfügung? JAN HAVERKAMP: Es wäre meiner Ansicht nach eine Katastrophe wenn Österreich weiterhin so schwach auf die Atomproblematik in Mitteleuropa reagieren würde, wie sie es nach der Fertigstellung Temelins gemacht hat. Österreich als Land hat nicht aktiv teilgenommen in der UVP rundum das bulgarische AKW Belene und Österreich ist nur marginal aktiv in der UVP zur Laufzeitverlängerung von Paks. Wenn in Mochovce so agiert wird, dann wird das sicher durch die Atomlobby als Sieg gefeiert und die weiteren Pläne der Atomlobby in Tschechien, Polen, Ungarn, Rumänien und Slovenien weiter unterstützen. Ich muss dabei ehrlich sagen, dass ein paar Leute innerhalb österreichischer Behörden wirklich ihr Äußerstes versuchen... aber es fehlt politische Rückendeckung und politische Initiative in diesen Fragen. Ich sehe Österreich de facto eigentlich kaum als Antiatom-Land. Es ist sicher kein Irland oder Dänemark. Bei Mochovce gibt es viele Chancen: Erstens muss Österreich innerhalb der EU aktiv werden um vorzubeugen dass Mochovce offene oder heimliche Staatsunterstützung empfängt - sei es aus der Slowakei oder aus Italien oder anderen Ländern. Zweitens sollen sich Österreich und die österreichischen Bürger sowie direkt betroffene Gebiete wie Niederösterreich aktiv in die Planungsverfahren einmischen. Letztlich sollte Österreich sowohl verstärkt die Ausarbeitung eines alternativen Energieplans für die Slowakei unterstützen, als auch Initiativen zur Förderung der Energieeffizienz und erneuerbaren Energien vorantreiben. Es gibt Alternativen! ANTIATOM SZENE: Du warst ja gemeinsam mit anderen Greenpeace Aktivisten mit dem Schiff "Anna" unter anderem in Bulgarien, um gegen den Bau des AKW Belene zu protestieren. JAN HAVERKAMP: Das AKW Belene soll in einer aktiven seismischen Zone gebaut werden. Das wird zwar im UVP-Verfahren zwar abgestritten, aber 1977 starben noch 200 Menschen im 12 km entfernten Svishtov aufgrund eines Erdbebens. Interessant zu sehen ist, dass auf der Basis von fast den selben Daten Wissenschaftler der bulgarischen Wissenschaftsakademie 1992 ein Weißbuch geschrieben haben, welches Belene als zu gefährlich abgestempelt hat. Das Verfahren rund um Belene wurde manipuliert und wird es noch immer. Wenn Belene gebaut wird, bekommen die verschiedenen Mafia Gruppierungen und Interessensgruppen die größtdenkbare Unterstützung, sodassdie sie denken läßt auch innerhalb der EU weiterregierenmachen zu können mit Korruption, Manipulation von Daten, Menschen und Verfahren. Damit würde die heranwachesende so dass die Demokratie Bulgariens einen großen Verlust erleidetn. Eine andere Gefahr ist, dass mit Belene 3 Milliarden Euro fehl investiert werden, die für den Ausbau des Landes als auch dem Ausbau der Energieeffizienz und erneuerbarer Energien dringend benötigt würden. Bulgarien verbraucht pro Einheit Brutonationalprodukts ein Vielfaches der Energie im Vergleich zu anderen EU Ländern. ANTIATOM SZENE: Wie sieht es mit dem Widerstand in Bulgarien aus? JAN HAVERKAMP: Der ist im Aufschwung aber immer noch sehr schwach. Der Widerstand rund um Belene selbst - mit Ausnahme der Stadt Belene - ist noch immer stark. Die nationale Koalition BeleNE (= NEIN zu Belene) kämpft in den Gerichten für die Einhaltung der Planungsverfahrensregeln die, wenn sie tatsächlich eingehalten würden, ein AKW in Belene nie zulassen würden. Vor allem die Bewegung der Ortschaften (die auf der Liste für Atommülllagerung stehen) gegen eine Zunahme von Atommüll (und deshalb auch gegen Belene) ist stark im kommen. Aber andererseits sind auch manche schon mürbe unter dem andauernden Druck. Vergiss nicht, dass sie gedacht hatten 1992 den Kampf gewonnen zu haben, als entschieden wurde Belene nicht zu bauen und die Verhandlungen zur Schließung der ersten vier Kozloduy Blöcke angelaufen waren. Es ist ein schon 20 Jahre andauernder Kampf. Es war für mich wichtig zu sehen wie während der Tour der "Anna" eine neue Generation von aktiven, intelligenten und jungen Leuten dazugekommen sind. Wir brauchen das europaweit - es geht schon eigentlich nicht mehr um meine Zukunft oder die meiner Generation, sondern um deren! ANTIATOM SZENE: Was ist der bulgarischen Greenpeace Aktivistin Albena Simeonova widerfahren? JAN HAVERKAMP: Albena trägt dieses unzerstörbare Zeichen der Hoffnung. Sie ist schon seit Ende der 80er Jahre aktiv im Umweltschutz und im Widerstand gegen Belene. Aber auch in vielen anderen Feldern zeigt sie Alternativen vor (Landwirtschaft, Chemie, Landbenutzung und Naturschutz) und wehrt sich gegen Korruption. Sie ist selbst Biobäuerin und es arbeiten etwa 150 Leute in ihrem Betrieb. Mit den Gewinnen finanziert sie drei NGOs. Letzten Dezember, nach einer Pressekonferenz mit Ekoglasnost und Greenpeace gegen Belene, bekam sie anonyme Morddrohungen. Im Februar wurde es dann wirklich ernst, als die Drohungen persönlich abgeliefert wurden: "Entweder du gehst weg aus Nord Bulgarien und gibst deinen Widerstand gegen Belene auf oder du stirbst." Die Drohungen kamen vom mittleren Management einer sehr großen Firma in Bulgarien. Dieses Konglomerat soll unter anderem die Überwachungs- und Sicherheitskontrakte für Belene bekommen und versucht ein Landwirtschaftsmonopol in Nord Bulgarien zu bekommen. Seitdem steht Albena unter ständiger persönlicher Überwachung. Weiters wurde versucht ihren Betrieb kaputt zu machen. Auf Abnehmer wurde Druck ausgeübt,die Kontrakte zu beenden und Kredite wurden storniert. Das ist fast, aber gerade nicht gelungen. Dazu kam noch die schwierige Wetterlage dieses Jahr: Überflutungen, Hagelstürme, und unglaubliche Regenfälle haben den Großteil von Albena's Ernte zerstört. Aber sie ist immer noch gut drauf und ungebrochen. Eine unglaubliche Kraft, die viele in ihrer Umgebung inspiriert! Auch mich. Ohne ihr Beispiel hätte ich dem Druck der Atommafia in Bulgarien kaum standhalten können. ANTIATOM SZENE: Welche Pläne gibt es für die langfristige Atommülllagerung? JAN HAVERKAMP: In Mitteleuropa ist die Lage im Moment offiziell so, dass jedes Land an seinen eigenen Endlagern arbeitet, die zwischen 2030 und 2070 operabel werden müssen, also ungefähr wenn meine Sohn in Rente ist. Aber der Widerstand vor Ort ist so groß, dass diese Pläne überall mit Verspätung anlaufen und ein politisches Dilemma darstellen. Die mitteleuropäischen Länder inklusive einiger österreichischer Institute (Nuclear Engineering Seibersdorf und the International Programme for the Development of Communication (IPDC)) sind deshalb sehr aktiv damit beschäftigt Atomdumping zu ermöglichen. Es wird über internationale Lager in Ungarn oder sogar Russland gesprochen. Das würde eine riesige Zunahme höchstgefährliche Transporte bedeuten und die Situation in den Empfangsländern ist nicht gerade so, dass wir davon ausgehen können, dass sie den Minimalkriterien für Risikobeschränkung bezüglich hochradioaktiver Abfälle entsprechen könnten. Versuch dir mal vorzustellen, dass dieselben Leute, die in Tomsk, Krasnoyarsk oder Mayak abertausende Menschen mit radioaktiven Stoffen vergiftet haben, jetzt Europas Atommüll für hunderttausende Jahre sicherstellen sollen! ANTIATOM SZENE: Durch die Medien gehen immer wieder Berichte in welchen behauptet wird, dass Tschechien inen Ausbau von Temelin plant sowie den Bau von weiteren Atomkraftwerken in Erwägung zieht. Wie ist deine Einschätzung dazu? JAN HAVERKAMP: Es gibt ernste Pläne im tschechischen langfristigen Energieplan, vor 2020 noch zwei neue AKWs zu bauen und Temelin wird als Standort am häufigsten genannt. CEZ hat vorerst solche Pläne verneint, aber in den letzten Monaten knallhart gesagt, dass man diesen Weg beschreiten möchte. Sowohl CEZ aber vor allem Skoda braucht neue Projekte. Die Kontraktfirma Skoda Praha a.s. ist eine CEZ Tochter, und vergiss nicht dass die Skoda Maschinenwerke in Pilsen noch immer einer der größten Arbeitgeber der Region ist. Außerdem ist die Atommafia eine Religion, die Wachstumsglauben als einer deren Dogmen zählt und eine Religion, die noch immer viele Verbindungen zu allen wichtigen politischen Parteien und staatlichen Behörden hat. Andererseits ist schon seit einiger Zeit eine Mehrheit der tschechischen Bevölkerung gegen den Ausbau der Atomkraft. Die Atomlobby fängt deshalb an auch Klimaschutz als Argument operativ zu machen. ANTIATOM SZENE: Turbinenprobleme in Temelin - was wird da weiter passieren? JAN HAVERKAMP: Das ist die 100 Dollar Frage und ich glaube zurzeit vor allem auch für den Temelin Betreiber CEZ. Es gibt Vorschläge, die Turbinen bald auszutauschen gegen Serienblocks von kleineren Turbinen, weil Temelin mit den jetzigen Turbinen nicht maximal fahren kann. Das würde aber eine riesige Investition voraussetzen und so weit ich es jetzt übersehen kann sind das keine Kosten die auf Skoda umgewälzt werden könnten. Die Turbinen bleiben für die kommende Zeit ein riesiges Problem für CEZ. Aber auch eine Chance um alle Fragen über andere Unklarheiten im AKW vom Tisch zu halten. Also, sehen wir was passiert. ANTIATOM SZENE: Deine Meinung zum Melker Prozess? JAN HAVERKAMP: Der Melker Prozess war für mich von Anfang an der Beweis, dass Österreich Mitteleuropa überhaupt noch nicht versteht. Die Erziehung im Lesen und Schreiben von marxistisch- leninistischen Texten hat auch viele Tschechen die Fähigkeit zur sehr kunstvollen Formulierung von Texten gelehrt. Als ich das Melker Protokoll zum ersten Mal gelesen habe war mir schon klar, dass Tschechien nichts Außergewöhnliches und vor allem nichts Kostspieliges zu tun hatte um die Aufgaben zu erfüllen. Dass österreichische Antiatom Aktivisten jetzt wittern, Melk sei nicht erfüllt, wird durch die tschechische Atomlobby einfach abgestritten - und die österreichische Regierung kann nichts dagegen machen. Das bedeutet, dass die im Melker Prozess genannten Sicherheitsmängel größtenteils unbeseitigt bleiben. Sie sind studiert, einige schon vor Melk vorgenommene Anpassungen sind durchgeführt, aber weiterhin braucht nichts passieren. Aber das sind ja nicht die einzigen Probleme die Temelin kennt! Ein berühmter Fall ist der der Schweißnaht 1-4-5, die laut einiger Zeugen und laut des geheim gehaltenen SUJB Inspektionsbericht 15/2001 möglicherweise fehlerhaft angeschweißt wurden. Es handelt sich hier um eine der wichtigsten Schweißnähte im ganzen Kraftwerk, von einer der Hauptröhre direkt auf dem Reaktorfaß! Es wurde von Greenpeace vielmals gewarnt, dass hier ein Problem existiere, aber die Polizei wurde bewusst irregeführt in ihren Nachforschungen und die Atombehörde SUJB hat alles gemacht um diesen Fall unter den Teppich zu kehren, inklusive der Herstellung mehrerer Inspektionsberichte die zwar viele Schweißnähte untersuchten (und noch mehr Fehler aufwiesen), aber nicht 1-4-5! So ein Fall hätte im Melker Prozess aufgenommen werden sollen, aber ich habe den Eindruck, dass die österreichische Regierung schon so überfordert war mit dem was schon auf dem Tisch lag, dass es nicht passierte. Melk war ein Weißwaschverfahren für Temelin. Die österreichische Seite hätte das wissen sollen, und vielleicht hat sie es auch so gewollt. Für mich ist es peinlich zu sehen wie Österreich sich stark macht wenn es den Wunsch der Türkei wittert EU-Mitglied zu werden, und wie in Sachen Atomfragen zwar viele Worte fallen aber in der Praxis fast nichts gemacht wird. ANTIATOM SZENE: Das Thema Klimaschutz wird von der Atomlobby missbraucht und es wird versucht die Atomkraft als den großen Klimaretter darzustellen. Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten Ansatzpunkte für erfolgreichen Klimaschutz? JAN HAVERKAMP: Meine Antwort ist kurz und kräftig: Nuclear can't deliver - Kernenergie kann diesen Anforderung nicht entsprechen. Für eine 6%ige Senkung der CO2 Ausstöße weltweit würden in den nächsten 30 Jahren über 1000 AKWs gebaut werden müssen. Abgesehen davon, dass für einen AKW-Park möglicherweise in kurzer Zeit das Uran ausgehen würde, würde es so viel Investitionskapital binden, dass andere notwendige Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbaren Energien so heftig darunter leiden würden, dass deren benötigter Beitrag nicht geleistet werden könnte. Kommt noch dazu, dass diese Blöcke erst 2050 fertig sein würden und in den nächsten 20 Jahren maximal einige zig Blöcke ans Netz gehen könnten, weil mehr einfach physisch nicht möglich ist. Wir brauchen die größten Anstrengungen und CO2 Emissionssenkungen gerade in den nächsten zwei Jahrzehnten! Wir brauchen jetzt Techniken die schnell eingesetzt werden können, und Kernenergie gehört nicht dazu! Dann bleibt immerhin noch die ungelöste Atommüllfrage und die erhöhten Risiken für Unfälle, terroristische Anschläge und Verbreitung von militärischen nuklearen Technologien. Atomenergie wäre die schlechteste denkbare Antwort auf die Klimafrage. Es gibt Alternativen - Greenpeace hat vor einem Monat eine Szenariostudie herausgebracht die zeigt, dass die sicherste und wirtschaftlichste Lösung für Europa ein Ausstieg aus der Atomenergie, zusammen mit einem Ausstieg aus der fossilen Wirtschaft in Richtung einer Wirtschaft basierend auf Energieeffizienz und der verstärkten Entwicklung von erneuerbaren Energien ist. Es gibt keinen Grund den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. (http://www.greenpeace.org/international/press/reports/energy-revolution-a-sustainab) ANTIATOM SZENE: Wie von IPPNW (Int. Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges e.V.) veröffentlicht, bestätigte die konservative National Academy of Science in den USA in einer aktuellen Studie die Gefährlichkeit von Niedrigstrahlung und einen Zusammenhang mit Krebserkrankungen. Was für Vorgangsweisen müssen hier folgen? JAN HAVERKAMP: Für mich ist das eine fast endlose Diskussion. Das Problem mit Niedrigstrahlung ist, dass die Effekte über längere Zeit sehr schwierig zu messen sind. Deshalb haben alle Untersuchungen in diesen Bereich eine große Wahrscheinlichkeitsmarge und es wird noch sehr lange dauern bis wir diese Debatte zu Ende bringen können. Wichtiger sind die qualitativen Debatten rundum nukleare Abfälle und große Unfälle. Dabei geht es nicht um Niedrigstrahlungsniveaus sondern um mögliche Hochstrahlungsniveaus für nächste Generationen. Das liefert schon ein qualitatives "nein" für Kernenergie. Trotzdem erwarte ich in den nächsten 10 bis 20 Jahren, dass 'dissidente' Erkenntnisse in der Niedrigstrahlungsforschung eine Spaltung in der Strahlungsexpertengesellschaft des ICRP bringen werden. Aber diese Diskussion wird immer eine sein über Chancen und Statistiken - ich vermisse oft dabei die Gesichter der direkten Opfer...
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| Zuletzt aktualisiert am Samstag, 06. Juni 2009 um 22:51 Uhr |















Jan Haverkamp ist Atomenergie-Experte für Greenpeace. Wir sprachen mit ihm unter anderem über seine Meinung zum Melker Prozess, AKW Aus- und Neubaupläne in Osteuropa, langfristige Atommülllagerung und auch über die Mordversuche an der bulgarischen Greenpeace Aktivistin Albena Simeonova. 


